Anti-Atom

Sicherheitsrisiko Atomkraft

In den Werbefilmen zur Volksabstimmung um das AKW Zwentendorf wurde noch behauptet, Atomkraftwerke können nicht explodieren. In der Zwischenzeit haben wir bereits mehrere Atomkatastrophen gesehen und die Anti-Atom-Bewegung ist angetreten, weitere zu verhindern. 

Die Energiewende braucht keine Atomkraftwerke

Schon in meiner Ausbildung in der HTL war ich von den Möglichkeiten der Erneuerbaren Energie begeistert. Mein erstes selbst verdientes Geld nach der Ausbildung habe ich gleich in eine kleine Windkraftfirma im Waldviertel investiert. Wir waren überzeugt, dass die Energiewende gelingen kann, obwohl damals noch wenige an das Potential der Windkraft glaubten. Im Jahr 2000 wurde ich dann auf die bevorstehende Inbetriebnahme das AKW Temelin aufmerksam und immer mehr Probleme wurden bekannt. Wir gründeten die NÖ überparteiliche Plattform Stopp Temelin und ich wurde der Sprecher der NGO und habe zahlreiche Grenzblockaden und Demonstrationen organisiert. Wir forderten die Prüfung der Nulloption bei der der UVP – den möglichen Ersatz des AKW durch Erneuerbare Energie für mehr Sicherheit in der Region. So wurde ich für viele Jahre Sprachrohr der Anti-Atom-Bewegung in Niederösterreich. Später habe ich auch den Waldviertler Energiestammtisch gegründet. Uns war klar, es reicht nicht gegen Atomkraftwerke zu sein. Wir wollten auch die Alternative aufzeigen und das ist die Energiewende.

Warum ich Anti-Atom-Sprecher wurde

2003 wurde ich Mitglied bei den Grünen und gründete kurz danach die Ortsgruppe in Waidhofen/Thaya. Mir war es immer wichtig, auch Verantwortung zu übernehmen. Als Stadtrat konnte ich auch einige Projekte wie LED-Beleuchtung und Photovoltaikanlagen umsetzen. Der Wahlerfolg 2019 brachte mich ins Parlament. Als wir die Sprecherfunktionen festlegten, lag es auf der Hand, dass ich mich um das Atomkraftkapitel annehmen werde. Ich kam aus der Anti-Atom-Bewegung. Da war es klar, dass ich in meiner Sprecherfunktion auch ein klares Zeichen setze und Anti-Atom-Sprecher wurde. Der erste, den es bisher im Parlament gab, und ein klares Zeichen, dass ich die Anti-Atom-Bewegung unterstützen werde. Ich spreche also nicht gegen Atome, sondern für die Anti-Atom-Bewegung. Das ist eine klare Ansage gegen die Atomkraftnutzung, die für mich als Techniker viel zu unsicher ist.

Tschernobyl

Der SuperGau im AKW Tschernobyl hat mich schon als Kind geprägt. 1986 ist zwar lange her, aber das Caesium-137 mit einer Halbwertszeit von 30 Jahren findet sich noch immer in unseren Böden. Dieser Unfall zeigt auch eines der größten Probleme der Atomkraftnutzung auf. Die Strahlung kennt keine Grenzen. Und wir wurden nie für den Schaden entschädigt. Im Gegenteil, Österreich hat sich sogar finanziell an der Beseitigung der Schäden beteiligt. Jahrzehnte lang wurde erzählt, dass Atomstrom so billig ist, trotzdem reicht es nicht, dass eine ausreichende Versicherung gezahlt wird, dass die Schäden abgegolten werden und dass die Sicherungsmaßnahmen in Tschernobyl aus dem Atomstromverkauf finanziert werden. Der billige Atomstrom war schon immer ein Märchen.

Fukushima

Als es am 11. März 2011 in Fukushima zur Reaktorkatastrophe kam, war ich einer der ersten, der im deutschsprachigen Raum darüber berichtete. Ich habe die Online-Tageszeitung www.oekonews.at mit begründet und unsere Berichte wurden dann auch von anderen übernommen. Der Schock saß tief. Eine Flutwelle hat nach einem Tsunami das Kraftwerk getroffen und Sicherheitseinrichtungen zerstört und in der Folge kam es zu Kernschmelzen. Wie wir heute wissen, war schon vor dem Unfall bekannt, dass die Mauern nicht hoch genug sind, um einer solchen Welle Stand zu halten. Trotzdem war das Kraftwerk im Betrieb und man hat das Risiko in Kauf genommen. Offenbar ist das kein Einzelfall. Beim Erdbeben am 1.1.2024 wurde im AKW Shika, Präfektur Ishikawa, festgestellt, dass die Erschütterungen im AKW stärker waren als bei den Sicherheitsauslegungen angenommen. Zum Glück war das AKW zu diesem Zeitpunkt nicht im Betrieb. Es zeigt aber einmal mehr, die Umweltgefahren sind oft höher als angenommen. Das Risiko tragen aber die Menschen, die dazu nicht befragt werden.

Atomkraftwerke sind keine Lösung gegen den Klimawandel

Wie der World Nuclear Industry Status Report WNISR 2023 zeigt, ist der Atomstromanteil 2022 im globalen Strommix auf 9,2% deutlich abgesunken. Seit viel Jahren sinkt der Atomstromanteil trotz zahlreicher Versprechen einer Atom-Renaissance. 1996 lag der Atomstromanteil bei 17,5%. Wie aktuellen Projekte in Frankreich, Finnland, UK und USA zeigen, haben diese immer wieder enorme Bauverzögerungen. Es dauert deutlich länger als 10 Jahre um so einen Reaktor fertig zu stellen. Da ist die Bau- und Genehmigungszeit aber noch gar nicht inkludiert. Um wirksame Maßnahmen gegen den Klimawandel zu setzen, haben wir aber nur mehr 10 Jahre Zeit. Das macht bereits deutlich, dass neue Atomkraftwerke viel zu lange dauern, um gegen den Klimawandel zu helfen. Gleichzeitig halten solche Projekte aber den Ausbau der Erneuerbaren auf. Außerdem sind Atomkraftwerke viel teurer als Wind und Photovoltaik. Mit dem gleichen Kapital kann man in kürzerer Zeit auch noch wesentlich mehr Ökostrom erzeugen. Daher ist es sinnvoller gleich in die Energiewende zu investieren.

Atomanlagen vom Klimawandel bedroht

Der Klimawandel macht auch vor Atomkraftwerken nicht halt. Der steigende Meeresspiegel, Küstenerosionen, Hurrikans, Tornados, Hochwasser und viele andere Gefahren setzen den bestehenden Kernkraftwerken immer mehr zu und nicht nur in Fukushima wurden die Umweltgefahren unterschätzt. Viele Anlagen wurden vor über 50 Jahren geplant und sind auf die Auswirkungen des Klimawandel nicht vorbereitet. Das fehlende Kühlwasser, durch die Trockenheit ist dabei nur die Spitze des Eisberges an Problemen.

Laufende Bedrohung

Atomanlagen stellen eine laufende Bedrohung schon im Betrieb dar. Im Krieg oder durch Terroranschläge kommen noch zusätzliche Bedrohungen hinzu. Über diese wird aber öffentlich nicht geredet. Bei der UVP zur Betriebsverlängerung des AKW Krško konnte oder wollte mir der Betreiber keine Antwort geben, wie das AKW gegen solche Bedrohungen geschützt wird. Außerdem stecken hinter vielen Atomprojekten auch militärische Interessen, die bis hin zum Bau einer Atombombe gehen.

EURATOM-Vertrag

EURATOM wurde zum Zweck der Förderung von Atomenergie geschaffen. Der EURATOM-Vertrag hat leider zu einer Parallelstruktur zur EU geführt und hebelt dadurch auch immer wieder EU-Recht aus, während gleichzeitig das EU-Parlament keine Kontrolle über die Aktivitäten hat.

Langfristig braucht es daher eine Atomaufsicht, die innerhalb der EU-Gesetzgebung funktioniert und auch vom EU-Parlament kontrolliert werden kann. Und diese Atomaufsicht braucht in Sicherheitsfragen auch ein Durchgriffsrecht gegenüber Bescheiden von nationalen Atomaufsichten, wenn es Zweifel an den wissenschaftlichen Fakten gibt.

Taxonomie – Greenwashing der EU-Kommission

Die EU-Kommission hat Atomkraft in den delegierten Rechtsakt der Taxonomie als Brückentechnologie aufgenommen. Eigentlich soll die Taxonomie nachhaltige Investments für den Finanzmarkt zertifizieren und so diese Produkte mit einem Label ausweisen. Atomenergie wurde dort mit einem Ablaufdatum aufgenommen, was bereits zeigt, dass diese Technologie nicht nachhaltig ist, sonst gäbe es dieses Ablaufdatum auch nicht. Der entstehende Atommüll ist eindeutig kein nachhaltiger Prozess und das Klimaministerium hat dies mit Studien auch untermauert. Außerdem war Atomkraft nicht im Gesetz für die Taxonomie vorgesehen. Österreich klagt gegen den delegierten Rechtsakt, um das Greenwashing zu bekämpfen.

Atommüll

In den meisten Ländern fehlt noch immer ein Plan, was mit dem Atommüll passieren soll. In Finnland wird zwar aktuell ein Atommüllendlager gebaut, ob es tatsächlich funktioniert, wird aber erst die Zeit zeigen. Misserfolge wie in Asse machen deutlich, dass sich ein Zeitraum von über 100.000 Jahren schwer planen lässt. Hinzu kommt, dass beim Abriss der AKW auch hunderttausende Tonnen an Bauschutt entstehen, der ebenfalls radioaktiv belastet ist.

Kernfusion

Viel zu viel Geld wandert momentan in die Forschung der Kernfusion mit dem Versprechen, dass diese bald Strom liefern könnte. Angesichts des Klimawandels haben wir aber gar nicht die Zeit auf diese Technik zu warten. Hinzu kommt, dass nicht sicher davon ausgegangen werden kann, dass diese Technik überhaupt einmal Strom zu annehmbaren Preisen liefern kann und auch bei der Kernfusion wird es radioaktiven Abfall geben.

Unsere Broschüre

Wir haben uns mit den Märchen der Atomlobby in unserer Broschüre „Kernkraft. Kurzschluss im Klimawandel“ auseinander gesetzt. Diese können wir auch in Englisch und Slowenisch zur Verfügung stellen. Bei dieser Gelegenheit, darf ich mich auch für die Zusammenarbeit mit unserer Grünen Zukunftsakademie FREDA bedanken. Mit der Broschüre bieten wir Informationen zu den wichtigsten Themen an, aber auch wie uns die Energiewende hilft, auf Atomkraft verzichten zu können.

Zwentendorf

Ich bin froh, dass es in Österreich der Anti-Atom-Bewegung gelungen ist, die Inbetriebnahme des AKW Zwentendorf zu verhindern. So müssen wir uns nicht mit der Frage beschäftigen, wo die vielen abgebrannten Brennstäbe gelagert werden sollen und können uns auf die Energiewende konzentrieren.

Energielix

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